26.10.2006
Stellungnahme zur geplanten Einrichtung eines Deutschen Ethikrats
Der Bundesverband evangelische Behindertenhilfe (BeB) kritisiert gemeinsam mit den anderen Verbänden, die das Institut Mensch, Ethik und Wissenschaft (IMEW) tragen, das von der Bundesregierung geplante Gesetz zur Einrichtung des Deutschen Ethikrats. Der BeB und die anderen Träger sprechen sich dagegen für ein transparent arbeitendes Gremium der medizin- und bioethischen Politikberatung aus, das direkt beim Deutschen Bundestag angesiedelt und durch diesen unmittelbar und vollständig legitimiert ist.
Neue
Entwicklungen in Medizin und Biologie führen immer wieder zu tief greifenden
ethischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Kontroversen, die den Gesetzgeber
herausfordern. Deshalb ist es unbestritten, dass es einen großen Bedarf an
Politikberatung in diesem Feld gibt. Dafür müssen natürlich auch die
entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden.
Mitte
Juli brachte die Bundesregierung den Entwurf des Gesetzes zur Einrichtung eines
Deutschen Ethikrates auf den Weg. Der BeB und die anderen Träger des IMEW üben
daran aus verschiedenen Gründen Kritik. Die intensiven öffentlichen Debatten
über medizin- und bioethische Fragen in den vergangenen Jahren haben gezeigt,
dass tragfähige und demokratische Entscheidungen des Gesetzgebers nicht auf
Empfehlungen, die ein Expertengremium hinter verschlossenen Türen erarbeitet
hat, sondern auf den Ergebnissen transparenter, lebendiger und vielstimmiger
Diskussionen in Beratungsgremien und in der Öffentlichkeit aufbauen müssen.
Zudem
ist tragfähige Gesetzgebung in diesem Bereich auf die intensive
parlamentarische Auseinandersetzung mit medizin- und bioethischen
Problemfeldern im Austausch mit der Öffentlichkeit angewiesen. Ein
Ethik-Beratungsgremium kann daher nur an das direkt gewählte Parlament
angebunden sein.
Medizin-
und bioethische Kontroversen durchziehen alle gesellschaftlichen Gruppen und
politischen Lager. Deshalb muss die Zusammensetzung eines Beratungsgremiums von
allen im Parlament vertretenen Fraktionen bestimmt werden. Nur so kann der
Vielfältigkeit von Positionen, Perspektiven und Betroffenheiten in der
Gesellschaft Rechnung getragen werden.
Weiterer
Kritikpunkt: Betroffene und interessierte Bürgerinnen und Bürger wollen nicht
lediglich informiert werden, sie wollen sich an den Diskussionen beteiligen.
Ein Beratungsgremium muss daher in öffentlichen Veranstaltungen und Anhörungen
dies ermöglichen.
Außerdem
vertreten sich betroffene Menschen über ihre zivilgesellschaftlichen
Organisationen auch in europäischen und internationalen Zusammenhängen selbst.
Ein „Deutscher Ethikrat" als reines Beratungsgremium ist nicht legitimiert,
„deutsche Positionen" zu medizin- und bioethischen Fragen zu vertreten.
Fazit
des BeB: Ein beim Deutschen Bundestag angesiedeltes Beratungsgremium muss
jederzeit transparent arbeiten, die vielfältigen Positionen in der Gesellschaft
repräsentieren und Interessierte sowie Betroffene aktiv in die Beratungen
einbeziehen.
Die Träger des IMEW:
Bundesverband
evangelische Behindertenhilfe
Arbeitsgemeinschaft Spina bifida
und Hydrocephalus
Bundesarbeitsgemeinschaft
Selbsthilfe von Menschen mit Behinderung und chronischer Erkrankung und ihren
Angehörigen
Bundesverband
für Körper- und Mehrfachbehinderte
Bundesvereinigung Lebenshilfe für
Menschen mit geistiger Behinderung
Caritas
Behindertenhilfe und Psychiatrie
Interessenvertretung
Selbstbestimmt Leben in Deutschland
Sozialverband VdK Deutschland
Verband für anthroposophische
Heilpädagogik, Sozialtherapie und soziale Arbeit
Dem BeB gehören derzeit 275 Rechtsträger mit mehr als 600
Einrichtungen der evangelischen Behindertenhilfe und Sozialpsychiatrie in
Deutschland an. In diesen Einrichtungen und Diensten werden gegenwärtig mehr
als 100.000 Menschen aller Altersstufen, Behinderungsgrade und
Behinderungsarten (geistig, seelisch, körperlich, mehrfach behindert)
gefördert, unterrichtet, begleitet, gepflegt, versorgt, beruflich qualifiziert,
beschäftigt.
Die Angebotsformen umfassen Wohnheime, Sonderschulen,
Fachkrankenhäuser, Rehabilitations- und Kurkliniken, Werkstätten für behinderte
Menschen, Berufsbildungs- und Berufsförderungswerke, Sonderkindergärten,
Tagesstätten, ambulante Dienste, Beratungs- und Therapiezentren,
Sozialpsychiatrische Diensten und Übergangseinrichtungen. Weiterhin gehören dem
Bundesverband rechtlich selbständige Vereinigungen und Selbsthilfegruppen an,
die, wie auch die oben genannten Einrichtungen, unter anderem den Angehörigen
behinderter oder psychisch kranker Menschen Hilfen anbieten.
Kontakt:
Rolf Drescher
Geschäftsführer
Bundesverband evangelische Behindertenhilfe e.V.
Altensteinstraße 51
14195 Berlin
Tel: 030 / 83001 - 270, Fax: 030 / 83001 - 275, E-Mail: info@beb-ev.de
www.beb-ev.de
www.beb-einmischen.de
Die Stellungnahme der neun Trägerverbände des IMEW finden Sie in der Rubrik Sozialpolitik unter: http://www.beb-ev.de/content/artikel_297_9.html



Wir SCHLIEßEN die Kette




